Sind Buddhisten glücklicher?
Praktizierende Buddhisten sind auch nach wissenschaftlichen Kriterien glücklicher,
wie Untersuchungen der Gehirnaktivität im präfrontalen Lappen ergeben haben.
Seit längerem ist bekannt, dass die Gehirnregion des so genannten linken präfrontalen Lappen aktiviert ist, wenn man positive Emotionen hat und Glück empfindet. Dass dieser bei Buddhisten nahezu ununterbrochen aktiv ist konnten mehrere Wissenschaftler mit Hilfe moderner neurologischer Untersuchungsmethoden wie der Kernspintomographie zeigen. Beispielsweise befasst sich der amerikanische Philosophieprofessor Owen Flanagan von der Duke-Universität, Durham (USA) im "New Scientist" (24. 5. 2003, S. 44) mit diesen neuen Erkenntnissen.
Neurologen kennen zwei Regionen im Gehirn, die mit den Gefühlen, Stimmungen und dem Temperament einer Person zusammenhängen: Das sind erstens die Amygdala im Vorderhirn und zweitens die präfrontalen Lappen. Aktivität im linken Lappen tritt bei angenehmen und positiven, solche im rechten bei unangenehmen, negativen Gefühlen auf. Untersuchungen an praktizierenden Buddhisten aus Dharamsala, der Gemeinde der Exiltibeter des Dalai Lama, wiesen die höchste bisher gemessene Aktivität im linken präfrontalen Lappen auf. Prof. Flanagan weist darauf hin, dass diese Gehirnregion bei diesen Buddhisten auch außerhalb der formalen Meditation aktiviert ist. Geübte Buddhisten sind somit in der Lage, auf jedwede Reize von außen stets mit positiven Gefühlen zu reagieren, was man direkt an den Gehirnströmen sehen kann. Dies ist um so interessanter, als man bis jetzt noch kein Medikament (z.B. Antidepressivum) entwickeln konnte, das dies zu leisten vermag.
Zudem berichtet ein Forscherteam der Universität Wisconsin in Madison (USA) in der Fachzeitschrift Psychosomatic Medicine, dass Achtsamkeits-Meditation, bei der sich die Probanden auf ihre momentanen Gedanken und Gefühle konzentrierten, ohne sie zu bewerten, ebenfalls den linken präfrontalen Lappen aktivierten. Am Ende der achtwöchigen Versuchszeit wurden die Probanden zudem gegen Grippe geimpft, wobei sie einen deutlich höheren Anstieg der Antikörper hatten als die Personen der Vergleichsgruppe.
Andererseits zeigen die Forschungsarbeiten von Prof. Paul Ekman an der Universität von Kalifornien in San Francisco, dass Meditation und Achtsamkeit das Amygdala im Vorderhirn zähmen kann, in dem sich negative Emotionen wie Angst bemerkbar machen. Ekman entdeckte, dass sich erfahrene Buddhisten deutlich seltener aufregen, ängstigen oder ärgern als normale Leute.
"Die vernünftigste Hypothese besteht darin, dass es etwas in der bewussten buddhistischen Praxis gibt, das die Art von Glück verursacht, die wir alle suchen", sagt Flanagan.
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